Gibt es einen deutschen digitalen Weg?

Immer wieder ist zu hören, wie rückständig die deutsche Wirtschaft in Bezug auf Industrie 4.0, Big Data bzw. Internet der Dinge ist. Wir sollen so sein wie die amerikanischen Start-Ups oder wie Google, Amazon bzw. Apple und Facebook. Nur dann haben wir angeblich eine Chance im internationalen Wettbewerb der agilen und schnellen Cloud-Unternehmen.

Ob dies tatsächlich so ist? Hier sind erhebliche Zweifel angebracht. Unbestritten ist, dass die digitale Transformation unaufhaltsam seine Bahnen zieht und in den nächsten Jahren weiter an Fahrt aufnehmen wird. Doch wird die Geschwindigkeit nicht in allen Gesellschafts- und Wirtschaftsbereichen gleich sein. Im Handel wird es andere Entwicklungen geben als in der Maschinenfertigung. Das Beratungsgewerbe muss anderer Herausforderungen meistern als die öffentliche Verwaltung mit ihren Ver- und Entsorgungsaufgaben.

Schnelligkeit versus Qualität und Können als neues Mantra? In der ganzen Welt wird die deutsche Ingenieurskunst und Sorgfalt gepriesen. Sie basiert nicht auf dem schnellen Ausprobieren oder einem lauten und bunten Marketing. Sich die Dinge genau ansehen und von allen Seiten bewerten, dann die richtige Entscheidung treffen sind die entscheidenden Merkmale. Sicher ist diese Genauigkeit an manchen Stellen übertrieben und gleitet manchmal in eine unangemessene Penibilität ab. Aber der entscheidende Kern ist das Verständnis für die Problemtiefe, die die deutsche Lösungskompetenz ausmacht. Diese darf dem Hype nach digitalen Lösungen nicht zum Opfer fallen.

Und dennoch müssen wir uns den neuen Entwicklungen stellen. Eine höhere Agilität ist zweifelsohne erforderlich, schnellere Lösungen werden zunehmend gefragt sein. In einer Kopie des amerikanischen Weges werden wir nicht das Heil finden, ebenso wenig in der alleinigen Berufung auf die Präszisionsfähigkeiten unserer Experten. Da sich die anstehenden  digitalen Herausforderungen nicht nur auf bessere Suchmaschinen oder Webshops beschränken werden, finden sich genügend Möglichkeiten, die eigene Agilität zu steigern, neue Anregungen aus der digitalen Start-Up-Szene einzubauen und dennoch die eigene Ingenieurkompetenz als Wert beizubehalten. Der deutsche Weg liegt in der Vereinigung traditioneller Fachkompetenz mit digitalen Methoden und Geschäftsmodellen, so wie es vierlorts schon passiert und auch in KOMMUNAL 4.0 der Fall sein wird. Die digitale Welt wird die Fachkompetenz von Ingenieuren und Technikern nicht ersetzen, kann sie aber sehr wirkungsvoll unterstützen. Richtig eingesetzt nimmt sie den kreativen Köpfen in Zukunft Routinetätigkeiten ab und nicht das Denken. Dann bleibt auch wieder Zeit für mehr Tiefe und Präzision.

In der Zeitschrift Capital findet sich hierzu ebenfalls ein interessanter Bericht mit Beispielen aus der Industrie (http://www.capital.de/meinungen/digitalisierung-german-way-statt-google-way.html).

 

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